aktuelle Texte (Auszüge)

Schönes Ambiente

André Heller war mit Zubin Mehta zu einem neuen „Rosenkavalier“ gebeten

André Heller ist bekennender „Rosenkavalier“-Verehrer von Kindesbeinen an. Und seine Idee für dieses Regie-Debut war, eine Benefizvorstellung der Fürstin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe von „Rosenkavalier“ für den österreichischen Kriegerwitwen- und -waisenfonds im Jahr 1917 als Rahmen zu imaginieren und dafür das Bühnenambiente (Xenia Hausner, Arthur Arbesser) zu gestalten. Im ersten Akt fürs Schlafzimmer der Marschallin war also die damals aktuelle Japan-Mode zu reflektieren und einen Rundhorizont mit Lamellen-artigen Wandstreifen in blauen bis violetten Tönen zu gestalten. Im zweiten Akt für die Silberrosen-Überreichung galt es, die weiträumige Empfangshalle des neureichen Waffenhändlers Faninal mit dem Beethoven-Fries samt Klimt und Damen-Gefolgschaft sowie nobel gekleideten jungen Damen zu staffieren. Und für den dritten Akt, dem „Beisl“, eine Art Gartenlokal mit orientalischem Zelt und Windlichtern, wohl à la Hellers Marokkanischem Domizil… (weiter)

Richtung Herbst

Jaromir Weinbergers Operette „Frühlingsstürme“ wiederentdeckt

Verdienstvoll ist es, an den tschechisch-jüdischen Komponisten Jaromir Weinberger zu erinnern. Bekannt ist von ihm heute nur noch in Wunschkonzerten sein „Schwanda der Dudelsackpfeifer“. Seine letzte in Berlin uraufgeführte Operette „Frühlingsstürme“ ist vergessen. Am 20.Januar 1933 im Admiralspalast uraufgeführt mit Richard Tauber war sie ein Publikumserfolg – bis die Nazis das Regime übernahmen. Im März ‘33 fiel der letzte Vorhang. Weinberger musste auswandern, fasste künstlerisch nie mehr Fuß. Das Stück spielt am Rande des russisch-japanischen Kriegs 1904/05 in der Mandschurei… (weiter)

Abrupter Abgang

Johannes Öhman und Sasha Waltz geben ihre Intendanz am Berliner Staatsballett schon wieder auf

Geahnt hatte man von Anfang an, dass dies Experiment nicht ewig halten würde. Dass es nun so schnell schon nach gut einer Saison enden würde, überrascht denn doch. Der Widerstand des überwiegend klassisch geprägten Ensembles gegen die eher auf die Moderne orientierte neue Leitung war von Anfang an stark. Er reichte mit Unterschriften-Petition im Netz bis zum öffentlichen Aufstand. Fraglich wie weit der sich geglättet hat… (weiter)

Drachen-Kämpfe

Paul Dessaus „Lanzelot“ am Weimarer DNT mit Peter Konwitschny

Affen und Nagetiere grinsen einem anfangs vom Bühnenprospekt entgegen. Dann eine steinzeitliche Menschheit, die von einer rätselhaften Krankheit bedroht ist. Aber ein Drache hilft. Er erklärt ihnen, das Wasser sei Cholera-verseucht. Sie sollten nur abgekochtes Nass trinken. Und er hält sogleich seinen giftig-heißen Atem-Strahl wie einen Tauchsieder ins Wasser. Nun ist das Wasser keimfrei und jeder Urmensch bekommt einen kleinen Privat-Tauchsieder. Dann sieht man Mädels in blau-weißer Kleidung (Rock-Bluse) bei „Elektro-Müller“ einkaufen – wohl mit ihrem 100-DM-Nachwende-Begrüßungsgeld in der neuen Zeit. Und alle fühlen sich irgendwie pudelwohl. Nur eine nicht, Elsa. Sie soll mit dem Drachen verheiratet werden. Stattdessen wünscht sie sich einen Lohengrin oder Siegfried oder sowas Ähnliches als Befreier. Denn der Drache, der einst half, hält noch immer seine „schützende“ Hand über die kleine Menschheit. Alles ist geordnet, geregelt. die Menschen angeblich glücklich. Nur Freiheit – was immer das sei – gibt’s nicht…(weiter)

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