Georg-Friedrich Kühn

aktuelle Texte (Auszüge)

Selbstverliebt

Herbert Fritsch und Wagners „Holländer“ an der Komischen Oper Berlin

Ach, Herr Fritsch. Der „Holländer“ nur ein Kasperletheater? Die Figuren als bloße Marionetten?…(weiter)

Wunder der Freiheit

Beethovens „Fidelio“ in einer Inszenierung von David Hermann an der DOB

Musikalisch bleibt die Produktion um einiges unter den Möglichkeiten des Hauses… (weiter)

Exzellente Stimmen – und sonst?

René Jacobs und Antonio Vivaldis Version von “Il giustino”

„Il Giustino“, der Aufstieg eines Bauern zum kaiserlichen Befreier und Mitregenten, war in der Opernfassung von Händel (1737) vor Jahrzehnten ein Riesenerfolg…(weiter)

Das erste Gebot

Der vierte „Ring“ an der Berliner Staatsoper – eigentlich für Daniel Barenboim

Ja, wenn es nur um die abschließende „Götterdämmerung“ gegangen wäre, dann könnte man über diesen neuen „Ring“ sagen: interessanter Ansatz, auch wenn manches doch arg holperte…(weiter)

Erinnern – und vergessen

Die neue Leitung der Berliner Festspiele

Die neue Leitung der Berliner Festspiele hat sich vorgestellt. An der Spitze Matthias Pees, vielfach erprobt in leitender Funktion. Konkretes hörte man da wenig. Stattdessen viel modisches Wortgeklingel von divers bis inklusiv usw…(weiter)

Assoziationen

Luigi Nonos „Intolleranza“ zum Auftakt der neuen Intendanz an der Komischen Oper

2001 eröffnete der damals neue Intendant der Deutschen Oper Berlin, Udo Zimmermann, sein Amt mit einer Produktion von Luigi Nonos „Intolleranza“ (1960/61). Jetzt haben es ihm die beiden Ko-Intendant*innen der Komischen Oper und Kosky-Nachfolger*innen, Susanne Moser und Philip Bröking, nachgetan…(weiter)

Üppig

Das Musikfest Berlin 2022 – ein Streiflicht

Der Paukenschlag gleich zu Beginn. Der neue Jungstar der Szene, der Finne Klaus Mäkelä, mit dem Concertgebouworkest Amsterdam und Mahlers Sechster zum Auftakt des Musikfest 2022 Berlin…(weiter)

Streitbar

Jossi Wielers Versuch mit Wagners „Meistersingern“

Stühle, Stühle, Stühle – sie sind der Running Gag dieser neuen „Meistersinger“-Inszenierung. Sie werden hin und her geschoben, abtransportiert, neu aufgestellt, gruppiert wie auf einem Schachbrett. Und der, der drauf sitzen soll, hat einfach kein Sitzfleisch, um eine ihm ungewohnte „Meister“-Prüfung zu absolvieren, er will Fun, sein Mädchen küssen, die Kopfgeld-„Prämie“…(weiter)

Illustrativ

Marina Abramović mit ihren „7 Deaths of Maria Callas“ zum Gaststerben in der DOB

Ähneln einer großen Diva, sich innerlich verwandt fühlen dieser großen, wirklichen Diva. Genügt das für einen solchen Abend?…(weiter)

Verschwinden

Sasha Waltz‘ „SYM-PHONIE MMXX“ uraufgeführt

Ein dunkler tiefer Klang aus dem Orchestergraben. Wie „Rheingold“. Auf der Bühne (Pia Maier Schriever) links einige Tänzer:innen, am Boden liegend in einem schmalen Streifen vor einer rotbraunen bühnenfüllenden Wand. Langsam erheben sich die Figuren, formen sich zu Grüppchen…(weiter)

Hans Neuenfels ist tot

06.02.2022

Ein Großer ist gegangen, 80jährig, der Regisseur Hans Neuenfels. Bekannt wurde er ab den 60iger Jahren durch seine frechen Schauspiel-Inszenierungen in Heidelberg, Stuttgart, Frankfurt. Mit seiner Frankfurter „Aida“ 1981 machte er auch nachhaltig als neue Zugänge aufschließender Opern-Regisseur auf sich aufmerksam.
Damit setzte er erste Akzente für die legendäre Gielen-Ära der Frankfurter Oper. Weniger erfolgreich war seine Intendanz an der Westberliner Freien Volksbühne Ende der 80iger Jahre. Häufig zu Gast war er an allen drei Berliner Opernhäusern. Skandalumwittert seine „Idomeneo“-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin.
Ich sah von ihm zuletzt seine tiefgründige „Salome“-Inszenierung an der Berliner Staatsoper. Des öfteren konnte ich mit ihm sprechen. Er war nach dem Tod der ihm befreundeten Ruth Berghaus einer der letzten von Grund auf die Werke analysierenden Opern-Regisseure. Er wird der immer mehr verflachenden Opernszene heute sehr fehlen.

Ausrufungszeichen – ?

„Der Antikrist“ von Rued Langgard in der Deutschen Oper Berlin

Eine Zumutung ist dieses Stück. Der Text, die Musik, die Inszenierung. „Antikrist“ von Rued Langgard entstand in den wirren Jahren der geistigen Orientierungslosigkeit nach dem Ersten Weltkrieg, dem Zusammenbruch der alten Ordnung. Der Komponist Langgard (1893-1952) suchte Orientierung für sich. Er schrieb seine Oper 1921-23, eher ein Oratorium…(weiter)

Smooth

Brecht-Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ an der Komischen Oper

Die Einlassungen Barrie Koskys im Programmheft über „Mahagonny“ als gleichsam Kettenglied zwischen Schönbergs „Moses und Aron“ und „Anatevka“ lesen sich interessant: Menschen in der Wüste, auf der Suche nach ihrem Gott. Fatty den „Prokuristen“ und Dreieinigkeitsmoses lässt Kosky bei ihrem ersten Erscheinen denn auch als Schläfchenlocken-Rabbi und katholischen Priester auftreten… (weiter)

Zwischen Zeitgeist und Erinnerung

Das Humboldt Forum öffnet seine Pforten

„Endlich offen“ – man kann den Brunftschrei der Erleichterung bei den Verantwortlichen nachempfinden, auch wenn erst ein Teil offen ist: ab 20.Juli, der wahrscheinlich interessantere Rest folgt dann am 22.September bzw. im nächsten Jahr. Seit der Beauftragung durch den deutschen Bundestag 2002 ein schönes Stück Zeit inklusive Kontroversen und Widrigkeiten… (weiter)

Nachhilfe in Mythenkunde

Stefan Herheims nachgereichtes „Rheingold“ an der DOB

Einige Possierlichkeiten der „Walküre“ versteht man nun besser mit dem nachgereichten „Rheingold“. Viel Glück hatte die Deutsche Oper bisher nicht mit ihrem neuen „Ring“ in Corona-Zeiten…(weiter)

Corona-bedingt flach

Riccardo Zandonais „Francesca da Rimini” – ein Versuch mit Christof Loy

Viel aufgeregtes oder stoisch-würdiges Hin- und Her-Gerenne oder -Gelaufe. Schlachten-Getümmel mit viel rotem Theaterblut und -Rauch. Grimmig-outriertes Blicken. Liebesszenen, die nicht vom Fleck kommen. Eine Rosenüberreichung zur Brautwerbung à la „Rosenkavalier“ aber genau andersherum – das ist die vielleicht noch witzigste Idee. Und das zu einer Musik mit einem starken Parfum, etwas schwül oder auch melodramatisch à la Puccini… (weiter)

Auf der Flucht

Stefan Herheim mit dem neuen „Ring“-Projekt der Deutschen Oper: „Walküre“

Der „Vorabend“ zum neuen „Ring“ der Deutschen Oper Berlin konnte Corona-bedingt nur auf dem Parkdeck in Kurzform stattfinden, eingerichtet von einem Assistenten. Ich hab‘ ihn mir geschenkt. Beim „Ersten Tag“ des Wagnerschen „Ring“-Bühnenfestspiels bangte man bis zuletzt, ob und wie das gelingen könnte. Immerhin für knapp die Hälfte der Platzkapazität des Hauses an der Bismarckstraße durfte sie dann stattfinden, die Premiere der „Walküre“… (weiter)

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