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Festspiele Bayreuth-Salzburg


Salzburg 2020 mit zwei Opernpremieren

Gekröntes Salzburg

Die zwei Opernpremieren im eingeschränkten Jubiläums-Jahr: „Elektra“ und „Così“

August 2020

Salzburg bleibt Salzburg: ein Jahrmarkt der Eitelkeiten und der Geschäfte. Auch in Corona-Zeiten. Die beiden Opern-Premieren Strauss‘ „Elektra“ und Mozarts „Così“ waren zwar passend zum Ort und Anlass (100 Jahre Festspiele) gewählt: das Ergebnis – in der Video-Aufzeichnung von arte.tv – freilich blass. Musikalisch zwar auf hohem bis höchsten Niveau. Szenisch nur modebewusst.

Krzysztof Warlikowski, eher ein Mann des Understatements und Regisseur der „Elektra“, vergibt sich schon mit dem Auftakt ein Großteil der Wirkung. Nicht Strauss‘ strukturierendes Agamemnon-Motiv hört man da zu Beginn, sondern ermüdende Strophen aus der „Orestie“ des Aischylos. Es soll wohl Hintergrund-Wissen vermittelt werden. Braucht das jemand, der die teuren Salzburg-Tickets sich leisten kann? Ansonsten wird fleißig chargiert und mit Blut- und Waschungs-Symbolik hantiert. Unter die Haut geht es nicht. Im Gegenteil: man hält die miot ein paar videos aufgepepte geistige Ödnis kaum aus. Allerdings hat man in Ausrine Stundyte und Asmik Grigorian ein höchst eindrucksvolles Schwestern-Gegensatz-Paar, das Franz Welser-Möst am Pult Wiener Philharmoniker bestens zur Geltung bringt.

Bei der „Così“ unter Regisseur Christof Loy hat man zwar das Zeit-Maximum von gut zwei Stunden klug genutzt, die Szene wirkt aber doch etwas sklerotisch. Unangenehm (auf dem Bildschirm) die grelle Mimik von Martin Kränzle als (in den Medien gefeierter) Spielmacher Don Alfonso. Als Ersatz für erzählende Vorgänge bringt es nichts. Die Frauen (Elsa Dreisig und Marianne Crebassa) bewegen sich vorzugsweise am Boden. Die Männer (Andrè Schuen und Bogdan Volkov) wirken etwas unbeholfen. Joana Mallwitz, als große Salzburger Neuentdeckung und erste weibliche Dirigentin bei einer Premiere am Pult der Wiener Philharmoniker gefeiert, gibt sich mehr glatt als echte musikalische Gestalterin. Da hat man Mozart am örtlichen Landestheater schon ungleich kraftvoller interpretiert gesehen bzw. gehört.

Die Präsidentin Helga Rabl-Stadler, vor allem fürs Geschäftliche zuständig, und ihr, was das Theater anlangt, doch etwas blauäugiger Programm-Macher Markus Hinterhäuser [wie kann man einen Oberflächen-Designer wie Romeo Castellucci als großen Theatermann betrachten?] wollten es der Welt beweisen, dass Live-Kunst auch in diesen Zeiten möglich ist. Sehr schön. Die im Raum waren, haben’s wohl genossen. Und wenn nicht doch noch was passiert, werden sie damit einen schönen Erfolg haben. Als Jubiläums-Festspiele ist das Ergebnis aber eher den Gründungszeiten nahe. Anderes zu erwarten, wäre verwegen gewesen.

Als Gustav Mahler genug hatte von der Wiener Schlamperei und sich ein Festival vorstellte à la Richard Wagners Bayreuth, das er kennen und schätzen gelernt hatte, wünschte er sich eines, das nur der Kunst dienen sollte. Daran hätte man sich erinnern sollen im 100.Jahr nach Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss als den Realisatoren dieser Idee. Immerhin machten sie sich stark für die Friedenssehnsucht nach dem Ersten Weltkrieg. In der NS-Zeit wurde die ins Gegenteil verkehrt – und die Festivalidee musste weiterwandern nach Luzern.

Heute ist das weithin in Vergessenheit geraten. Und was damit verbunden wäre, eine gewisse Demut der Ansprüche, kann man sich offenbar heute nicht mehr „leisten“. Mode und der schöne Schein sind heute wichtiger als künstlerische Ereignisse, die man im Herzen bewahren kann.