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Mittwoch aus Licht


 

 

Toller Auftakt

Mit Stockhausens „Mittwoch aus Licht“ startet die neue Intendanz

Premiere: 19.09.2026 (besucht: zweite Aufführung am 20.09.2026)

Ein ästhetisches Desaster von Anfang an: Schon die neue Kluft der Mitarbeitenden, wenn man das Haus betritt. Eine potthässliche Jacke aus Kunststoff in Blau mit rotem Punkt. Blau! Wie kann man? Dazu die Foyer-Beschallung, heutzutage, mit der allgegenwärtigen Ohrenverschmutzung, nur noch ein Frevel.

Dann der erste Teil von Karlheinz Stockhausens „Mittwoch aus Licht“, seinem insgesamt 29-stündigen 7-Tage-Opus, mit dem er nach eigenen Worten (ich habe es von ihm selbst erfragt, damals in Leipzig bei einem anderen Teil des Zyklus) Richard Wagners „Ring“ etwas entgegensetzen wollte. Eigenes Festspielhaus inklusive. Leider war er damals schon tief in seine Privat-Religion abgedriftet und komponierte längst keine ernst zu nehmenden Musik-Werke mehr.

Mittwoch aus Licht - Bühne Markus Selg

Auf der Bühne sieht man da kitschig marienähnlich verschleierte Menschen (Andra Dumitrascu) schreiten, die Arme reckend und gelegentlich Laute ausstoßend vor einem Bühnenbild (Markus Selg), das einem Altar gleicht mit einem Gebilde dahinter, das ein Kreuz, ein Stierkopf-Gerippe oder die Form des weiblichen Geschlechtsorgans mimt. Es soll einer alten Kultstätte in der Türkei nachgebildet sein. Dahinter wechselnde Videos, bevorzugt: rieselnder Sand. Auf dem Altar der Dirigent (Jeremy Bines), der die Chöre rechts und links und die paar Solisten in der Mitte anleitet zu ihren stimmlichen Äußerungen. Man möchte spätestens nach dieser Pseudo-Zeremonie der „Liebe und Versöhnung“ im „Weltparlament“ die Veranstaltung verlassen.

Der zweite Teil dann: einzelne Instrumentalisten, die wie verlorene Aliens im Bühnenraum stehen, sitzen, sich von A nach B bewegen und kurze klangliche Phrasen auf ihren Instrumenten erzeugen, die in einem Bläserchor münden. Die zweite Hälfte dieses zweiten Teils dann das berühmte „Helikopter-Streichquartett“. Geigenspieler (3 Frauen, ein Mann), die, je einer in einem Hubschrauber sitzend, mit verkürzten Bögen auf ihren Instrumenten schrammeln und die Klänge mit dem ohrenbetäubenden Lärm der Rotoren vereinen, gepaart mit Flak-ähnlicher Bühnenhimmels-Erleuchtung. 25 Minuten dauert das Spektakel, zuvor vom Meister persönlich fürs Publikum erläutert.

Den dritten Teil habe ich mir gespart. Da soll’s noch um ein Kamel gehen, das man aus einer früheren Teil-Inszenierung übernommen hat. Man fragt sich eigentlich nur, was Stockhausen unter den heute ungemein erweiterten Möglichkeiten der technischen Kommunikation noch alles an Kosmischem ersonnen hätte. Sicher hätte er gern bei Elon Musk angefragt, einer der Flugbegleiter zum Mars zu werden. Dabei hat er in den 50-iger und 60-iger Jahren wirklich Bahnbrechendes komponiert. Nur davon hört man heute kaum noch was.

Und was heißt es, wenn der Gesamt-Dirigent (Maxime Pascal) im Programmheft erklärt, Stockhausen habe mit seinem 7-Tage-Opus auch Erfahrungen aus dem Musiktheater der vergangenen Jahre amalgamiert? Nein - so dilettantisch war es wirklich nicht, was wir in den Operntempeln der 70-iger bis 90-iger Jahre geboten bekamen. Aber da gab es auch noch die Regisseurin dieser Produktion, Susanne Kennedy. Ihr zugutehalten könnte man, dass Stockhausen höchstpersönlich all das inszenatorisch Laienhafte, was an Gesten und Ausstattung auszuführen wäre, vorgeschrieben hat. Aber es offenbart ja nur, woran er sich mit seiner Bühnensprache orientiert hat, um damit seine Nazi-Kindheit abzuarbeiten; statt wirklich neue Wege zu finden mit menschlichen Figuren nicht märchenhaften Abziehbildern.

Und soweit aus der Stockhausen-Stiftung bekannt ist, muss man sich heute nicht mehr wirklich an des Meisters laienhafte Inszenierungs-Anweisungen halten. Man könnte stattdessen versuchen herauszupräparieren, was bedeuteten seine esoterischen Ideen damals, was dann, als er in futuristischer Ideologie die Anschläge von 9/11 als „größtes Kunstwerk“ bezeichnete. Immerhin entschuldigte er sich später für den Satz. Sich als Regisseur*in selber auch lächerlich machen mit der Befolgung seiner Vorgaben muss man nicht. Oder einfach diese Partituren, da die Teile ja nun wohl alle der interessierten Menschheit zu Augen und Ohren gebracht sind, ganz unten im Archiv versenken?

Foto: gfk

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