Georg-Friedrich Kühn

aktuelle Texte (Auszüge)

Streitbar

Jossi Wielers Versuch mit Wagners „Meistersingern“

Stühle, Stühle, Stühle – sie sind der Running Gag dieser neuen „Meistersinger“-Inszenierung. Sie werden hin und her geschoben, abtransportiert, neu aufgestellt, gruppiert wie auf einem Schachbrett. Und der, der drauf sitzen soll, hat einfach kein Sitzfleisch, um eine ihm ungewohnte „Meister“-Prüfung zu absolvieren, er will Fun, sein Mädchen küssen, die Kopfgeld-„Prämie“…(weiter)

Distanziert

Franz Schrekers „Der Schatzgräber“ (1920) ausgegraben in der DOB

Els träumt. Oder ist es Elsa, die Errettung von einem Ritter Lohengrin erhofft, oder Elster, die gern blinkende Klunker sammelt – zum Beispiel die der Königin, die ob des gestohlenen Blinkschmucks leidet? Das Libretto zu Franz Schrekers Oper „Der Schatzgräber“ hat der Komponist wie alle seine anderen Bühnenwerke selbst gedichtet…(weiter)

Illustrativ

Marina Abramović mit ihren „7 Deaths of Maria Callas“ zum Gaststerben in der DOB

Ähneln einer großen Diva, sich innerlich verwandt fühlen dieser großen, wirklichen Diva. Genügt das für einen solchen Abend?…(weiter)

Rythmische Haarekämmen

Auftakt MaerzMusik 2022

Achtzehn junge afroamerikanische Frauen in weißen langen Kleidern und mit wie ein Heiligenschein auftoupierten Haaren schreiten in den Raum… (weiter)

Verschwinden

Sasha Waltz‘ „SYM-PHONIE MMXX“ uraufgeführt

Ein dunkler tiefer Klang aus dem Orchestergraben. Wie „Rheingold“. Auf der Bühne (Pia Maier Schriever) links einige Tänzer:innen, am Boden liegend in einem schmalen Streifen vor einer rotbraunen bühnenfüllenden Wand. Langsam erheben sich die Figuren, formen sich zu Grüppchen…(weiter)

End-Spiel

28.02.2022

Dass seine Paranoia schon so weit expandiert wäre, dass er einen (zur Not) bis zum Äußersten eskalierenden Angriffskrieg wagt, hätte ich nicht gedacht. Gewiss, sich die Kiewer Rus wieder zurückzuwünschen, die der Nabel einst des Russischen Reichs war, konnte man noch – als Wunschvorstellung – nachvollziehen. Aber dann das als Hitler 2.0 in einem „Blitzkrieg“, wie manche sagen? Läuft aber offenbar nicht wie gedacht: wegen ungenügender Planung oder innerer Obstruktion? Die Ukrainer jedenfalls wollen nicht ins Putinsche 19.Jahrhundert oder noch viel weiter zurück, leisten Widerstand. Und der Westen spricht und handelt mit (fast) einer Stimme.
Dank unserem „genialen“ (O-Ton Trump!) Kremlführer klingeln jetzt vor allem bei den Rüstungsschmieden die Kassen – und was wird mit dem Klima? Vom Leid der Menschen nicht zu reden. Es gibt die Nibelungen-Treuen wie Gergiev. Aber es regt sich auch Widerspruch, nicht nur im Hinterhof des Kreml. Und wir wissen ja, wie es dem Herrn mit dem Schnauzer und der schnarrenden Stimme ergangen ist. Für Hobbyhistoriker Vlad ist es das (leider unnötig blutige) End-Spiel, auch wenn er das in seinem Bunker vielleicht nicht mitkriegt. Und es passiert all das, was er nicht wollte. Oder bekommt er doch noch den Schluss-Dreh zum Anton Hynkel?
Zusatz 09.03.2022: Dass er sich mit seinem angedachten „Blitzkrieg“ so total verkalkuliert hat, ist auch ein treffendes Beispiel für eine Höflings-Diktatur, in der der Herrscher immer nur das zu hören bekommt, was er hören will aber nicht, was Sache ist. Sonst hätte er sich bei der Haltung der Ukrainerinnen und Ukrainer nicht so grotesk verschätzt. Molotow-Cocktails statt Blumen. Die Großkotzigkeit wird, wie’s scheint, Tag um Tag klein-kotziger. Nicht aber die Korruption, die, wie Kenner sagen, die das Geld für die vielgepriesene Hypermodernisierung seiner Armee in privaten Taschen versickern ließ.
Zusatz 19.03.2022: Krieg bedeutet immer auch eine Vernichtung von Werten. Neben der katholischen Kirche arbeitet nun auch der russische Patriarch Kirill an der Vernichtung christlicher Werte. Korrumpiert von Putin weiht er dessen Krieg zum heiligen Kreuzzug gegen alle westlichen Werte von Freiheit und Selbstbestimmung. Auch vom „Großen Vaterländischen Krieg“ als Sieg über den Faschismus wird man in Russland nie mehr sprechen können, bedient man sich doch selbst faschistischer Methoden beim leidvollen Versuch, die Ukraine „heim ins großrussische Reich“ zu bomben. Die nächste Perestroika für Russland wird sein: wirkliche Entstalinisierung, De-Putinisierung. Und Putins „De-Nazifizierung“ meint ja doch seine Selbstabschaffung.

Zusatz 27.03.2022: Der Krieg hat längst auch die Klassik-Szene erreicht. Nach Gergiev und Netrebko wird nun auch nach den Finanziers von Teodor Currentzis gefragt. Zwar soll er sich gelegentlich für einige vom Kreml drangsalierte russische Künstler wie Serebrennikov eingesetzt, Krieg als untaugliches Mittel erklärt, nicht aber sich von Putin samt seiner Oligarchen-Mafia und dem Ukraine-Krieg distanziert haben. Als Chef des SWR-Rundfunksinfonie-Orchesters ist er direkt auch von einem deutschen ARD-Sender abhängig. Die Salzburger Festspiele profitieren von seiner finanziellen Unterstützung eines russischen Oligarchen für sein MusicAeterna-Ensemble durch die sanktionierte VTB-Bank.
Künstlerisch hat der geborene Grieche zwar einige Meriten gesammelt, auch wenn ich vieles in seinen Interpretationen eher manieriert als plausibel finde. Grauenhaft seine Salzburger „Idomeneo“-Interpretation mit überdehnten oder gar falschen Tempi in einer geradezu lächerlich frömmlerischen Inszenierung, oder auch seine oft unmotivierten Einschübe. Schlimm aber sein Auftreten gelegentlich in Springerstiefeln und mit einem Feldherren-Gehabe, das eher an faschistische Machthaber erinnert als an einen sensiblen Musiker. Von TV-Sendern wie arte wird das aber klaglos er- und übertragen als besonders herausragendes Kulturereignis.
11.04. Zur Tragödie des Ukraine-Kriegs gehört auch, dass Trump einem Putin vorgemacht hat, wie man sogar in einer offenen Gesellschaft mit freien Medien durchkommen kann mit krassen Lügen. Dass die russischen Soldaten und die Söldner der Wagner-Gruppe, wie es heißt, sich offen am Telefon unterhalten konnten über ihre Jagd auf Zivilisten und wie sie sie umbringen konnten, setzt der Zyne in Bezug auf die Kriegs-„Wahrheit“ die Krone auf. Es bleibt dabei, nur ohne Putin kann es noch weitergehen. Ein Hitler, ein PolPot und wer sonst noch aus der Welt der ideologischen Schlächter reicht. Kriege wie diese führen direttissimo in den Faschismus. Indes werden die Töne des Putin-Lautsprechers etwas leiser.

Hans Neuenfels ist tot

06.02.2022

Ein Großer ist gegangen, 80jährig, der Regisseur Hans Neuenfels. Bekannt wurde er ab den 60iger Jahren durch seine frechen Schauspiel-Inszenierungen in Heidelberg, Stuttgart, Frankfurt. Mit seiner Frankfurter „Aida“ 1981 machte er auch nachhaltig als neue Zugänge aufschließender Opern-Regisseur auf sich aufmerksam.
Damit setzte er erste Akzente für die legendäre Gielen-Ära der Frankfurter Oper. Weniger erfolgreich war seine Intendanz an der Westberliner Freien Volksbühne Ende der 80iger Jahre. Häufig zu Gast war er an allen drei Berliner Opernhäusern. Skandalumwittert seine „Idomeneo“-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin.
Ich sah von ihm zuletzt seine tiefgründige „Salome“-Inszenierung an der Berliner Staatsoper. Des öfteren konnte ich mit ihm sprechen. Er war nach dem Tod der ihm befreundeten Ruth Berghaus einer der letzten von Grund auf die Werke analysierenden Opern-Regisseure. Er wird der immer mehr verflachenden Opernszene heute sehr fehlen.

Ausrufungszeichen – ?

„Der Antikrist“ von Rued Langgard in der Deutschen Oper Berlin

Eine Zumutung ist dieses Stück. Der Text, die Musik, die Inszenierung. „Antikrist“ von Rued Langgard entstand in den wirren Jahren der geistigen Orientierungslosigkeit nach dem Ersten Weltkrieg, dem Zusammenbruch der alten Ordnung. Der Komponist Langgard (1893-1952) suchte Orientierung für sich. Er schrieb seine Oper 1921-23, eher ein Oratorium…(weiter)

Hoffentlich nachhaltig

Neue musikalische Leitung für die Konische Oper Berlin: James Gaffigan, Erina Yashima

Mit musikalischen Leitern hatte die Komische Oper selten Glück. Ausnahmen: Kurt Masur, Václav Neumann und vor allem Kirill Petrenko… (weiter)

Farbreich musiziert – ideenlos inszeniert

Eröffnung der Lindenoper-Barocktage mit „Idoménée“ von André Campra

Auf die Idee muss man erst mal kommen: Die Barock-Version von „Idoménée“ den Fura dels Baus zum Inszenieren zu übergeben. Maschinen-Barock-Oper für eine Maschinen-verliebte Truppe. Selbst der verantwortlich zeichnende Àlex Ollé zeigt sich nach eigenem Bekenntnis darüber verwundert. Das Ergebnis ist denn auch danach… (weiter)

Nichts im Lot

„Così fan tutte“ mit Barenboim / Huguet an der Berliner Staatsoper

Ein Regisseur hat eine Idee. Die drei Mozart-Da Ponte-Opern als Altern von Paaren darzustellen. Ähnlich wie Beaumarchais, dem Dichter von „Figaros Hochzeit“, der dies Werk als Mittelstück einer Trilogie … (weiter)

Smooth

Brecht-Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ an der Komischen Oper

Die Einlassungen Barrie Koskys im Programmheft über „Mahagonny“ als gleichsam Kettenglied zwischen Schönbergs „Moses und Aron“ und „Anatevka“ lesen sich interessant: Menschen in der Wüste, auf der Suche nach ihrem Gott. Fatty den „Prokuristen“ und Dreieinigkeitsmoses lässt Kosky bei ihrem ersten Erscheinen denn auch als Schläfchenlocken-Rabbi und katholischen Priester auftreten… (weiter)

Kampfplatz: Masse-Individuum

Zwei Splitter vom Musikfest Berlin 2021

Musikfest Berlin. Musik-Fest? Mühsam ist der Zugang mit einigen notwendigen und einigen überflüssigen Corona-Kontrollen. Und im großen Saal der Philharmonie obligatorischer Mundschutz. Kein Sitzen im Schachbrettmuster. Man bekommt Atemnot. Dabei ginge es anders. Und wenn’s am Geld liegt, dann eben mit konzentrierterem Programm. Das erste von mir besuchte Konzert: das Gastspiel des Concertgebouworkest Amsterdam unter Daniel Harding… (weiter)

Nachwischen für Sisyphos

„Œdipe“ von George Enescu (1936)

Blut. Viel Blut. Ein Baden in Blut – und Wasser. Wie ein Menetekel wird es an die blecherne Wand gemalt. Vom Titelhelden noch im Sterben abgewischt. Blutig beginnt es schon…(weiter)

Festspiel-Sommer?

Zu den Neuproduktionen in Bayreuth und Salzburg 2021

Nichts wirklich Neues bei den Super-Sommer-Festspielen. In Bayreuth bekommt man den „Holländer“ als Kleinstadt-Schmonzette geboten, in Salzburg den „Don Giovanni“ als sein eigenes Denkmal…(weiter)

Zwischen Zeitgeist und Erinnerung

Das Humboldt Forum öffnet seine Pforten

„Endlich offen“ – man kann den Brunftschrei der Erleichterung bei den Verantwortlichen nachempfinden, auch wenn erst ein Teil offen ist: ab 20.Juli, der wahrscheinlich interessantere Rest folgt dann am 22.September bzw. im nächsten Jahr. Seit der Beauftragung durch den deutschen Bundestag 2002 ein schönes Stück Zeit inklusive Kontroversen und Widrigkeiten… (weiter)

Nachhilfe in Mythenkunde

Stefan Herheims nachgereichtes „Rheingold“ an der DOB

Einige Possierlichkeiten der „Walküre“ versteht man nun besser mit dem nachgereichten „Rheingold“. Viel Glück hatte die Deutsche Oper bisher nicht mit ihrem neuen „Ring“ in Corona-Zeiten… (weiter)

Berliner Festspiele-Intendant Thomas Oberender geht zum Jahresende 2021

Er wolle sich „neuen Herausforderungen“ stellen, heißt es zur Begründung. Einiges hat er bewegt, nicht unbedingt zum Besseren, zumal in der neuen Musik. Das dafür eigentlich gedachte Festival „MaerzMusik“ ist zur Schwatzbude verkommen. Statt Immersion Implosion… (mehr)

Semperoper bekommt 2024 neue Leitung

Die Verträge von Chefdirigent Christian Thielemann und Intendant Peter Theiler werden nicht über 2024 hinaus verlängert. Neue Chefin wird die frühere Dramaturgin und derzeitige Intendantin der Oper Graz, die Schweizerin Nora Schmid… (weiter)

Corona-bedingt flach

Riccardo Zandonais „Francesca da Rimini” – ein Versuch mit Christof Loy

Viel aufgeregtes oder stoisch-würdiges Hin- und Her-Gerenne oder -Gelaufe. Schlachten-Getümmel mit viel rotem Theaterblut und -Rauch. Grimmig-outriertes Blicken. Liebesszenen, die nicht vom Fleck kommen. Eine Rosenüberreichung zur Brautwerbung à la „Rosenkavalier“ aber genau andersherum – das ist die vielleicht noch witzigste Idee. Und das zu einer Musik mit einem starken Parfum, etwas schwül oder auch melodramatisch à la Puccini… (weiter)

Im Eishaus

Leoš Janáčeks „Jenůfa“ mit Sir Simon Rattle

3sat, das die Premiere zeitversetzt übertragen und einen Monat in seiner Mediathek abrufbereit hat, wollte an dem 13.Februar 2021 eigentlich eine „Gräfin Mariza“-Aufführung senden. Kurzfristig – auf wessen Drängen auch immer? – hat man sich zu dieser Janáček-„Jenůfa“-Premiere der Berliner Staatsoper entschlossen… (weiter)

Nicht vermisst

Der neue „Lohengrin“ der Berliner Staatsoper als Video-Premiere

Nein, ein Genuss ist das nicht: diese grellen Grimassen, hilflos herumstehenden und gestikulierenden Sänger-Darsteller*innen. Uninteressant, langweilig, irgendwie dumm ist dieser neue „Lohengrin“ der Staatsoper als Video-Stream. Calixto Bieito, als Attraktion eingekauft, hat leider schon lange nichts mehr intelligent-Aufregendes zu bieten… (weiter)

Nebeneinander

Luca Francesconis „Quartett“ nach Heiner Müller an der Staatsoper Berlin

Pierre Boulez sollte diese Oper eigentlich schreiben. Es war Daniel Barenboims Wunsch von Anfang seiner GMD-Zeit an. Aber es wurde und wurde nichts daraus. Dann hieß es mal, Boulez habe sich ein anderes Sujet gesucht, einen Text von Genet. Die Heiner-Müller-Version von Choderlos de Laclos‘ Abrechnung mit dem ancien régime im Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ (Gefährliche Liebschaften) blieb unkomponiert. Und das war auch gut so. Es ist mit seiner sehr eigenwilligen, poetischen Sprache kein Text, der sich zum Komponieren eignet, der Musik braucht… (weiter)

Auf der Flucht

Stefan Herheim mit dem neuen „Ring“-Projekt der Deutschen Oper: „Walküre“

Der „Vorabend“ zum neuen „Ring“ der Deutschen Oper Berlin konnte Corona-bedingt nur auf dem Parkdeck in Kurzform stattfinden, eingerichtet von einem Assistenten. Ich hab‘ ihn mir geschenkt. Beim „Ersten Tag“ des Wagnerschen „Ring“-Bühnenfestspiels bangte man bis zuletzt, ob und wie das gelingen könnte. Immerhin für knapp die Hälfte der Platzkapazität des Hauses an der Bismarckstraße durfte sie dann stattfinden, die Premiere der „Walküre“… (weiter)

Hoffentlich nachhaltig

Neue musikalische Leitung für die Konische Oper Berlin: James Gaffigan, Erina Yashima

Mit musikalischen Leitern hatte die Komische Oper selten Glück. Ausnahmen: Kurt Masur, Václav Neumann und vor allem Kirill Petrenko…
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Auf die Idee muss man erst mal kommen: Die Barock-Version von „Idoménée“ den Fura dels Baus zum Inszenieren zu übergeben. Maschinen-Barock-Oper für eine Maschinen-verliebte Truppe. Selbst der verantwortlich zeichnende Àlex Ollé zeigt sich nach eigenem Bekenntnis darüber verwundert. Das Ergebnis ist denn auch danach… (weiter)

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„Così fan tutte“ mit Barenboim / Huguet an der Berliner Staatsoper

Ein Regisseur hat eine Idee. Die drei Mozart-Da Ponte-Opern als Altern von Paaren darzustellen. Ähnlich wie Beaumarchais, dem Dichter von „Figaros Hochzeit“, der dies Werk als Mittelstück einer Trilogie … (weiter)

Smooth

Brecht-Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ an der Komischen Oper

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Zwei Splitter vom Musikfest Berlin 2021

Musikfest Berlin. Musik-Fest? Mühsam ist der Zugang mit einigen notwendigen und einigen überflüssigen Corona-Kontrollen. Und im großen Saal der Philharmonie obligatorischer Mundschutz. Kein Sitzen im Schachbrettmuster. Man bekommt Atemnot. Dabei ginge es anders. Und wenn’s am Geld liegt, dann eben mit konzentrierterem Programm. Das erste von mir besuchte Konzert: das Gastspiel des Concertgebouworkest Amsterdam unter Daniel Harding… (weiter)

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„Œdipe“ von George Enescu (1936)

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Festspiel-Sommer?

Zu den Neuproduktionen in Bayreuth und Salzburg 2021

Nichts wirklich Neues bei den Super-Sommer-Festspielen. In Bayreuth bekommt man den „Holländer“ als Kleinstadt-Schmonzette geboten, in Salzburg den „Don Giovanni“ als sein eigenes Denkmal…(weiter)

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Das Humboldt Forum öffnet seine Pforten

„Endlich offen“ – man kann den Brunftschrei der Erleichterung bei den Verantwortlichen nachempfinden, auch wenn erst ein Teil offen ist: ab 20.Juli, der wahrscheinlich interessantere Rest folgt dann am 22.September bzw. im nächsten Jahr. Seit der Beauftragung durch den deutschen Bundestag 2002 ein schönes Stück Zeit inklusive Kontroversen und Widrigkeiten…
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Er wolle sich „neuen Herausforderungen“ stellen, heißt es zur Begründung. Einiges hat er bewegt, nicht unbedingt zum Besseren, zumal in der neuen Musik. Das dafür eigentlich gedachte Festival „MaerzMusik“ ist zur Schwatzbude verkommen. Statt Immersion Implosion…
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Viel aufgeregtes oder stoisch-würdiges Hin- und Her-Gerenne oder -Gelaufe. Schlachten-Getümmel mit viel rotem Theaterblut und -Rauch. Grimmig-outriertes Blicken. Liebesszenen, die nicht vom Fleck kommen. Eine Rosenüberreichung zur Brautwerbung à la „Rosenkavalier“ aber genau andersherum – das ist die vielleicht noch witzigste Idee. Und das zu einer Musik mit einem starken Parfum, etwas schwül oder auch melodramatisch à la Puccini…
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3sat, das die Premiere zeitversetzt übertragen und einen Monat in seiner Mediathek abrufbereit hat, wollte an dem 13.Februar 2021 eigentlich eine „Gräfin Mariza“-Aufführung senden. Kurzfristig – auf wessen Drängen auch immer? – hat man sich zu dieser Janáček-„Jenůfa“-Premiere der Berliner Staatsoper entschlossen…
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Der neue „Lohengrin“ der Berliner Staatsoper als Video-Premiere

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Pierre Boulez sollte diese Oper eigentlich schreiben. Es war Daniel Barenboims Wunsch von Anfang seiner GMD-Zeit an. Aber es wurde und wurde nichts daraus. Dann hieß es mal, Boulez habe sich ein anderes Sujet gesucht, einen Text von Genet. Die Heiner-Müller-Version von Choderlos de Laclos‘ Abrechnung mit dem ancien régime im Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ (Gefährliche Liebschaften) blieb unkomponiert. Und das war auch gut so. Es ist mit seiner sehr eigenwilligen, poetischen Sprache kein Text, der sich zum Komponieren eignet, der Musik braucht…
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Der „Vorabend“ zum neuen „Ring“ der Deutschen Oper Berlin konnte Corona-bedingt nur auf dem Parkdeck in Kurzform stattfinden, eingerichtet von einem Assistenten. Ich hab‘ ihn mir geschenkt. Beim „Ersten Tag“ des Wagnerschen „Ring“-Bühnenfestspiels bangte man bis zuletzt, ob und wie das gelingen könnte. Immerhin für knapp die Hälfte der Platzkapazität des Hauses an der Bismarckstraße durfte sie dann stattfinden, die Premiere der „Walküre“…
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Festspiel-Sommer?

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Das Humboldt Forum öffnet seine Pforten

„Endlich offen“ – man kann den Brunftschrei der Erleichterung bei den Verantwortlichen nachempfinden, auch wenn erst ein Teil offen ist: ab 20.Juli, der wahrscheinlich interessantere Rest folgt dann am 22.September bzw. im nächsten Jahr. Seit der Beauftragung durch den deutschen Bundestag 2002 ein schönes Stück Zeit inklusive Kontroversen und Widrigkeiten…
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Nachhilfe in Mythenkunde

Stefan Herheims nachgereichtes „Rheingold“ an der DOB

Einige Possierlichkeiten der „Walküre“ versteht man nun besser mit dem nachgereichten „Rheingold“. Viel Glück hatte die Deutsche Oper bisher nicht mit ihrem neuen „Ring“ in Corona-Zeiten…
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Er wolle sich „neuen Herausforderungen“ stellen, heißt es zur Begründung. Einiges hat er bewegt, nicht unbedingt zum Besseren, zumal in der neuen Musik. Das dafür eigentlich gedachte Festival „MaerzMusik“ ist zur Schwatzbude verkommen. Statt Immersion Implosion…
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Leoš Janáčeks „Jenůfa“ mit Sir Simon Rattle

3sat, das die Premiere zeitversetzt übertragen und einen Monat in seiner Mediathek abrufbereit hat, wollte an dem 13.Februar 2021 eigentlich eine „Gräfin Mariza“-Aufführung senden. Kurzfristig – auf wessen Drängen auch immer? – hat man sich zu dieser Janáček-„Jenůfa“-Premiere der Berliner Staatsoper entschlossen…
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Der neue „Lohengrin“ der Berliner Staatsoper als Video-Premiere

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Pierre Boulez sollte diese Oper eigentlich schreiben. Es war Daniel Barenboims Wunsch von Anfang seiner GMD-Zeit an. Aber es wurde und wurde nichts daraus. Dann hieß es mal, Boulez habe sich ein anderes Sujet gesucht, einen Text von Genet. Die Heiner-Müller-Version von Choderlos de Laclos‘ Abrechnung mit dem ancien régime im Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ (Gefährliche Liebschaften) blieb unkomponiert. Und das war auch gut so. Es ist mit seiner sehr eigenwilligen, poetischen Sprache kein Text, der sich zum Komponieren eignet, der Musik braucht…
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Viel aufgeregtes oder stoisch-würdiges Hin- und Her-Gerenne oder -Gelaufe. Schlachten-Getümmel mit viel rotem Theaterblut und -Rauch. Grimmig-outriertes Blicken. Liebesszenen, die nicht vom Fleck kommen. Eine Rosenüberreichung zur Brautwerbung à la „Rosenkavalier“ aber genau andersherum – das ist die vielleicht noch witzigste Idee. Und das zu einer Musik mit einem starken Parfum, etwas schwül oder auch melodramatisch à la Puccini…
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Nein, ein Genuss ist das nicht: diese grellen Grimassen, hilflos herumstehenden und gestikulierenden Sänger-Darsteller*innen. Uninteressant, langweilig, irgendwie dumm ist dieser neue „Lohengrin“ der Staatsoper als Video-Stream. Calixto Bieito, als Attraktion eingekauft, hat leider schon lange nichts mehr intelligent-Aufregendes zu bieten…
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Pierre Boulez sollte diese Oper eigentlich schreiben. Es war Daniel Barenboims Wunsch von Anfang seiner GMD-Zeit an. Aber es wurde und wurde nichts daraus. Dann hieß es mal, Boulez habe sich ein anderes Sujet gesucht, einen Text von Genet. Die Heiner-Müller-Version von Choderlos de Laclos‘ Abrechnung mit dem ancien régime im Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ (Gefährliche Liebschaften) blieb unkomponiert. Und das war auch gut so. Es ist mit seiner sehr eigenwilligen, poetischen Sprache kein Text, der sich zum Komponieren eignet, der Musik braucht…
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Stefan Herheim mit dem neuen „Ring“-Projekt der Deutschen Oper: „Walküre“

Der „Vorabend“ zum neuen „Ring“ der Deutschen Oper Berlin konnte Corona-bedingt nur auf dem Parkdeck in Kurzform stattfinden, eingerichtet von einem Assistenten. Ich hab‘ ihn mir geschenkt. Beim „Ersten Tag“ des Wagnerschen „Ring“-Bühnenfestspiels bangte man bis zuletzt, ob und wie das gelingen könnte. Immerhin für knapp die Hälfte der Platzkapazität des Hauses an der Bismarckstraße durfte sie dann stattfinden, die Premiere der „Walküre“…
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Musik-Theater-Tanz-Kritik

Georg-Friedrich Kühn
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